Lebenskraft mit gesundem Fett

Während unsere Großmütter wohl kaum auf die Idee gekommen wären, Fettaugen von der Suppe zu schöpfen, magere Milch zu trinken oder sich statt Butter Plastik auf‘s Brot zu streichen, hat man uns in der nächsten Generation eingetrichtert, nur ja kein Fett, ganz böse, macht dick und überhaupt. Joghurt schmeckt seither nicht mehr nach Milch, Margarine hatte Hochkonjunktur, eine ganze Nation (die USA) versank in einer Fett-Hysterie und trotzdem wurde die Menschheit oder Teile davon – genau – immer fetter.

Nun, heute schlägt das Pendel glücklicherweise wieder in die andere Richtung aus. Zuerst kam das gesunde Olivenöl, auch die Butter wurde rehabilitiert, vor allem, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass es zum schwimmend Ausbraten einfach nichts Besseres gibt als Butter, Butterschmalz oder auch Kokosfett. Und heute wird endlich bestätigt, was viele Menschen in ihrem „Ungehorsam“ gegenüber so mancher Anti-Fett-Kampagne ohnehin schon immer wussten – die richtigen Fette halten uns gesund. Sehr gesund sogar.

Schauen wir uns doch zunächst einmal an, welche Fette es denn überhaupt gibt. Nicht in allen Feinheiten, so ganz grob für den Hausgebrauch. Um es besser zu verstehen, müssen wir trotzdem ganz kurz in die Chemiestunde unserer Schulzeit zurück.

Fette bestehen aus Fettsäuren, und diese sind im Grunde nichts anderes als lange oder weniger lange Ketten von Kohlenstoffatomen. Solche Kohlenstoffatome können nun sehr stabil miteinander verknüpft sein oder weniger stabil.

Im ersten Fall spricht man von gesättigten Fettsäuren, im zweiten Fall von ungesättigten, wobei noch unterschieden wird zwischen einfach und mehrfach ungesättigt. Dieses gesättigt oder nicht kann man sich gut vorstellen, wenn man an einen Ehepartner denkt.

Gesättigt würde bedeuten – treu, schaut nicht nach anderen, man kann sich auf ihn oder sie verlassen, einziger Nachteil vielleicht, ein wenig fad. Also nicht so feurig, sondern eher – Couch und Fernbedienung.

Ungesättigt bedeutet, ein spannender Typ, sehr reaktionsfreudig, man kann eine Menge erleben, nur leider, mit der Treue hapert es etwas. Ungesättigt ist ständig auf der Suche, ob nicht noch was Besseres nachkommt.

Diese Sättigung oder nicht nennt man chemisch Doppelbindung und ist genau umgekehrt von dem, was man sich so vorstellt. Kohlenstoffketten mit einer oder mehreren Doppelbindungen sind eben die reaktionsfreudigen, während keine Doppelbindung bedeutet – es bleibt alles wahrscheinlich so, wie es ist.

Alle Fette haben übrigens zur Abwehr gegen den Angriff Freier Radikaler, zu denen besonders Sauerstoff gehört, ihre eigene Schutzsubstanz mitgebracht (man nennt das auch Antioxidans), nämlich Vitamin E. Vitamin E ist aber nicht hitzebeständig, womit klar sein dürfte, warum die Oma mit der Butter zum Schnitzel ausbraten genau richtig lag.

Alle gesättigten Fette kommen im Alltag in fester Form daher (passt ja irgendwie zur gewissen Trägheit). Vertreter dieser Gattung sind Butter, Butterschmalz, die indische Ghee oder auch Kokosfett (in unseren Breiten ja in fester Form).

Ungesättigte Fette sind dann alle Pflanzenöle, die wir so kennen und verwenden. Und die wir – siehe oben – immer nur kalt verwenden sollten.

Übrigens sollten Sie auch mehr Fett essen, wenn Sie abnehmen wollen. Klingt komisch? Ist es aber gar nicht.

Um nicht zu weit auszuholen – unser Körper kann Kohlehydrate (also Brot, Nudeln, Reis, Obst, Gemüse) oder Fett verwenden, um in der Zelle Feuer zu machen und Energie zu erzeugen. Und früher mal, also bei unseren Steinzeitvorfahren, konnte er das auch aus Eiweiß (das ist Thema des so genannten Ketose-Stoffwechsels). Babys können es übrigens auch. Aber da wir ständig so viele Kohlehydrate zu uns nehmen, haben wir das sozusagen verlernt. Eiweiß als Brennmaterial zu verwenden, geht aber nur in Anwesenheit von Fetten (von denen braucht es nämlich, um die „Briketts“ zu erzeugen, die Fettsäuren). Und natürlich gutes Eiweiß, denn sonst knab­bert der Körper sein eigenes an. Aber das ist ja nicht unser Thema.

Und so eine Ernährung immer mal wieder macht schlank und hält schlank. Kohlehydrate dagegen machen dick. Zumindest dann, wenn man sich nicht bewegt. Viel bewegt, so wie unsere Vorfahren eben.

Jetzt fehlt uns noch die Sache mit den Omegas – sicher haben Sie davon ja schon mal gehört. Wissenschaftler, die immer gern genaue Beschreibungen haben wollen, haben dazu bei mehrfach ungesättigten Fettsäuren einfach alle Kohlenstoffatome einer langen Kette abgezählt und dann die Stelle, an der sie die erste Doppelbindung vorgefunden haben, mit einem Omega bezeichnet.

Also bedeutet Omega-3, dass sich die erste von vielen Doppelbindungen am 3. Kohlenstoffatom befindet, bei Omega-6 ist es das sechste. Und der Körper kann nicht einfach die eine in die andere umwandeln, wir müssen sie beide essen, wenn wir sie wollen.

So, und jetzt können wir damit arbeiten:

Wer über die Omegas spricht, der meint in Bezug auf Gesundheit nahezu immer die mit der 3 im Namen. Ich auch. Ich bin geradezu ein Fan von diesen Fetten, haben sie mir doch entscheidend bei einer Krankheit geholfen, die mich viele Jahre geplagt hat – Neurodermitis (siehe auch mein Buch „Wenn die Haut zum Feind wird“).

Verglichen mit den Sechsern sind die Dreier deutlich seltener und schwieriger zu bekommen. Ursprünglich fand man sie nur in Farnen und Moosen oder in Meeresplankton, in den kleinsten Schwebeteilchen also. Und beides dient als Futter für einerseits Fische und andererseits wild lebende Tiere. Und die wiederum wurden von uns Menschen gegessen. Nahrungskette nennt man das.

Wer mich kennt, weiß, dass ich gern ein paar Jahre zurückschaue. Nein, nicht auf die Zeit, als ich ein Kind war, eher noch ein wenig weiter, zu unseren Steinzeitvorfahren. Und da weiß man heute, dass die ein Verhältnis Omega-3 zu Omega-6 von ungefähr 1 zu 4 zu sich genommen haben. Klar, Jagd und Fischfang und dazu noch ein paar Pflanzen und Samen.

Und heute? Heute ist das Verhältnis ein wenig anders. Auf einen Teil Omega-3 kommen unglaubliche 25 Teile Omega-6. Warum? Weil man uns einerseits seit vielen Jahren erzählt, dass es so unglaublich gesund sei, viele Pflanzenöle zu verwenden, und weil wir andererseits zu einer Generation der Brotesser geworden sind. Und in Getreide stecken ganz viele – richtig – Omega-6-Fettsäuren.

Jetzt fragen Sie sich natürlich, was denn daran so schlimm sei.

Nun, abgesehen von der Tatsache, dass wir erst seit vergleichsweise wenigen Generationen Getreide anbauen und essen (seit 10.000 Jahren genau genommen, also verglichen mit der Zeit, die wir überhaupt schon da sind und in der sich unser Erbmaterial geformt hat, gerade mal ein Wimpernschlag der Geschichte) und daher sehr viele Menschen diese Mengen, die heute per Brotkorb auf jedem Tisch stehen einfach nicht mehr vertragen (und ich rede hier nicht nur von Gluten), müssen wir uns zum besseren Verständnis noch anschauen, was denn Omega-3 und Omega-6 in unserem Körper so treiben.

Da der Mensch als Teil aller Lebewesen immer schon vielen Gefahren ausgesetzt war, hat die Natur ihn mit einem Mechanismus ausgestattet – immer dann, wenn irgendwas in der Umwelt nicht passt, wenn es Eindringlinge gibt, wenn man sich verletzt hat, wenn man was falsches gegessen hat – dagegen anzukämpfen. Krieg zu spielen also gegen alles, was schaden könnte. Man nennt das auch Entzündung.

Omega-6-Fettsäuren werden nach vielen Zwischenschritten unter anderem zu einer Substanz abgebaut, der Arachidonsäure, die als Hauptaufgabe hat, Entzündungen zu starten und solange am Leben zu halten, bis man den Sieg davon getragen hat. Oder bis man den Befehl bekommt, Kampfhandlungen einstellen, alles in Ordnung, vertragt euch.

Und dieser Befehl kommt – wie immer genial ausgedacht – von genau der anderen Fettsäure, der Omega-3. Bei deren Abbau entstehen nämlich Substanzen, EPA und DHA genannt, die irgendwann mal entscheiden, genug gekämpft, es reicht.
(Falls Sie mal angeben wollen, ausgeschrieben sind das Eicosapentaensäure und Docohexaensäure. Das A bedeutet hier Acid, also das englische Wort für Säure.)

So, und jetzt dürfen Sie mal nachdenken:

Zum Beispiel darüber, warum wohl heute so viele Menschen ihre Entzündungen einfach nicht loswerden.

– Am Thema Entzündung hängt auch das Thema Allergie und in Folge auch Autoimmunstörungen.

– Am Thema Entzündung hängt nach neuesten Erkenntnissen auch, wie geistig fit ich bin und ob ich mal an Demenz oder Alzheimer leiden werde.

– Am Thema Entzündung hängt es auch, ob ich gute Laune habe oder depressiv bin (weiß man noch nicht so lange. Ständige Entzündungen führen zu Depressionen).

– Am Thema Entzündung hängt, ob ich leicht oder schwer Gewicht verliere.

Zusätzlich sagen uns Ärzte, dass Omega-3 den Blutdruck senken kann und Arteriosklerose vorbeugt. Und, dass es einen günstigen Einfluss hat auf die Haut – mein Thema damals.

Wo überall ist Omega-3 drin?
Leinöl / Nahrungsergänzung in Kapselform / fette Meeresfische (Lachs, Makrele, Thunfisch, Hering) /  Walnüsse

Eine noch bessere Wirkung erzielen Sie übrigens, wenn Sie zusätzlich noch Ihren Anteil an hochwertigem Eiweiß erhöhen. Das wusste schon eine geniale Vordenkerin aus Österreich, Frau Johanna Budwig, Apothekerin und Chemikerin, die unglaubliche gesundheitliche Erfolge hatte mit simplem Quark/Topfen und Leinöl.

Und jetzt entscheiden Sie einfach selbst (ist ja kein Zufall, dass Sie dieses Heft in die Hand bekommen haben). Die Person, die es Ihnen gegeben hat, meint es offenbar gut mit Ihnen:

– Haben Sie immer wieder Probleme mit der Haut?
– Gibt es in Ihrer Familie Herzinfarkt oder Bluthochdruck?
– Sind Sie oft schlecht gelaunt oder depressiv?
– Können Sie sich schwer konzentrieren?
– Neigen Sie zu Entzündungen?
– Tun Ihnen die Gelenke weh?
– Haben Sie Gewichtsprobleme?
– Essen Sie viel Brot oder andere Getreidegerichte?
– Viele pflanzliche Öle?
– Wenig bis keinen Fisch (so dreimal pro Woche sollte es schon sein)?

Dann wäre meine Empfehlung – ändern Sie was. Und freuen Sie sich dann daran, welch gute Laune Sie haben werden!