Schicht für Schicht

Die Schale/Rinde.
Fast alle Produkte, die heute auf dem Markt sind, enthalten keine Schale der Aloe, nur das glibbrige Innenleben. Diese Schale dient einerseits zum Schutz der Pflanze (man kann sich vorstellen, dass bei soviel Feuchtigkeit in einer Wüstengegend solch ein Schutz notwendig ist, damit nichts verdunstet), andererseits erfolgt hier die Synthese der insgesamt 75 Nährstoffe, die die Aloe enthält. Danach werden die Stoffe alle wieder „zurück“ geschickt ins Innere, es erfolgt also ein ständiger Austausch. Die Rinde ist auch gar nicht so dünn, immerhin rund 15 Zellschichten dick. Essen sollte man sie dennoch nicht, das kann Bauchweh bis hin zu Koliken verursachen. Auch dies ist logisch, denn ohne diesen Abwehrschutz wäre die arme Pflanze sicher von vielen Lebewesen auf Wassersuche schon ausgelutscht.

Sollte Ihnen daher ein gut meinender Arzt die Warnung aussprechen, man dürfe Aloe-Saft nicht länger als drei Monate nehmen, nicht für Kleinkinder, Schwangere oder Herzleidende, und außerdem sei es ein ganz furchtbares Abführmittel, so steht dieser Arzt leider noch auf dem Wissensstand der 50er Jahre. (Leider Gottes gibt es auch immer noch eine Menge „Ratgeber“ oder Beiträge in Konsumenten“schutz“-Zeitungen, die genau den gleichen Unsinn verzapfen. Einen guten Saft können Sie Ihr ganzes Leben lang trinken, meine jüngste Patientin ist derzeit sieben Monate alt, mein ältester (mein Schwiegervater!) war 93 Jahre jung.

Wofür sich die Schalen aber hervorragend eignen – als Dünger. Zurück damit auf die Felder, dann benötigt man keine Pestizide und künstliche Düngemittel. Der Name Aloe stammt übrigens wahrscheinlich aus dem arabischen „alloeh“, was gleichzeitig „glänzend“ und „bitter“ bedeutet. Das bedeutet, die Pflanze verdankt ihren Namen tatsächlich der Schale.

Die Schleimschicht.
Wenn wir ein Aloe-Blatt behutsam schälen, dann tropft uns also als erstes ein recht flüssiger Schleim entgegen, der Fäden zieht und dem Trinkgel später seine leicht gelbliche Farbe und den charakteristischen Geschmack verleiht. Diese Schleimschicht dient dazu, das Innere steril zu halten und hier finden sich einige der erstaunlichsten Stoffe. Zusammengefasst werden sie als Anthraquinone bezeichnet, aber es handelt sich um einen wirklich bunten Strauß von Substanzen, unter anderem das Acemannan. Acemannan ist eine Verbindung von einem langen Kohlehydratmolekül und einer ebenfalls langen Aminosäure, und diese Substanz findet sich in der Natur nennenswert nur in wenigen Produkten. Neben der Aloe nur in Ginseng, Shitakepilzen und Haifischknorpel. Acemannan wird derzeit auch in der Pharmaindustrie untersucht und hat viel mit der positiven Wirkung auf unser Immunsystem zu tun, die man der Aloe zuschreibt.

Daneben enthält der Schleim noch Emodin, eine sehr Haut unterstützende Substanz, Zimtsäure, ätherische Öle, aber auch Aloin, ein stark abführendes Produkt. Auch Saponine, die für die große Reinigungskraft der Aloe verantwortlich sind, sitzen hier in der Schleimschicht. Und ganz faszinierend finde ich auch die Lignine, die sozusagen der Grund dafür sind, warum die Aloe so gut alle Hautschichten durchdringen kann.

All dies wirkt synergistisch zusammen, also so, dass das Ganze deutlich mehr ist als die Summe der Einzelteile. Das Geheimnis eines guten Trinkgels ist es, genau die richtige Menge dieser Schleimsubstanzen gemeinsam mit dem nährstoffreichen Inneren zu mischen. Zu viel ergibt Durchfall, zu wenig reduziert die positiven Wirkungen. Auch dies macht ein gutes Produkt aus.

Das Innenleben.
Hier, im echten Gel, das zum überwiegenden Teil aus Wasser besteht, stecken nun all die Nährstoffe, die ein Aloe-Getränk praktisch zur Vitaminstoff-Pille der Natur machen – insgesamt mehr als 160.