Vitamin C – der Alleskönner

Hand aufs Herz – woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „Vitamine“ hören oder lesen? Für die meisten Menschen sind Vitamine fast schon gleichzusetzen mit dem einen, dem besonderen, nämlich Vitamin C. Und obwohl doch auch alle anderen Vitamine lebensnotwendig sind und ein Mangel schwere Störungen hervorrufen würde, steckt tief in uns drin der Glauben, wenn wir nur von diesem einen genug haben, dann ist alles gut.

Und tatsächlich gibt es solch eine Fülle von guten Gründen, sich bei Vitamin C nicht nur am unteren Rand des gerade noch Lebensnotwendigen zu bewegen, sondern eine große Extraportion davon zu essen. Immerhin gibt es außer dem Menschen, dem Menschenaffen, einer Fledermausart und dem Meerschweinchen kein Lebewesen auf der Welt, das sich Vitamin C nicht in großen Mengen selbst herstellen kann. Ein Hund beispielsweise produziert am Tag rund 25 Gramm davon. Und Forscher sind sich heute einige, dass auch der Mensch das in seiner Frühzeit mal konnte. Es war nur ein überflüssiges Können im Sinne der Evolution, denn es gab rundherum ausreichend Obst. Warum also sollte man Energie dafür aufwenden, etwas zu produzieren, was man doch einfach nur pflücken musste. Die Evolution konnte nicht wissen, dass wir heute Obst roh ernten, mehrmals rund um den Globus fliegen, damit es dann unter der Neonröhre des Supermarktes nachreifen kann. Vitamin C ist ein Schutzstoff, der Pflanzen vor zu viel Sonne schützt und entsteht ausschließlich während des letzten Drittels des Reifungsprozesses. Vor einer Neonröhre muss man sich aber nicht schützen.

Die meisten informierten Menschen wissen heute, dass man Vitamin C braucht, um weniger oft krank zu werden, dass es unser Immunsystem stärkt und als starkes Antioxidans wirksam gegen Freie Radikale ankämpft. Dies tut es übrigens in Gemeinschaft mit Vitamin E, dem Vitamin, das unsere Zellmembranen vor Angriffen schützt und unsere Haut jung und straff hält. Ohne Vitamin C ist Vitamin E ziemlich hilflos.

High Angle View Of Woman's Face Surrounded With Lemon Slices

Und natürlich erinnern wir uns aus frühen Abenteuerromanen, dass ein Mangel an Vitamin C mit Zahnfleischbluten beginnt, irgendwann fallen einem dann die Zähne aus und schließlich stirbt man – irgendwie. Die gefürchtete Krankheit heißt Skorbut, das Schicksal von Matrosen, wenn sie länger als sieben Wochen ohne Vitamin C-haltige Lebensmittel auf See waren. So lange kann der Körper diesen Stoff nämlich speichern. Und da Vitamin C und seine Wirkung erst zwischen 1928 und 1932 erforscht wurde, konnten unsere tapferen Matrosen das natürlich in früheren Jahrhunderten noch nicht wissen. Immerhin nahmen kluge Kapitäne auf lange Reisen dann manchmal Sauerkraut mit, ohne zu wissen, dass Sauerkraut viel Vitamin C enthält (mehr als Zitronen und Orangen übrigens, aber weniger exotisch, daher vielen heute nichts mehr wert.)

Jetzt geht es heute natürlich nicht mehr darum, dass uns die Zähne ausfallen. Diese Mangelerscheinung ist heute wirklich ausgerottet in unseren Breiten (Allerdings habe ich mir gestern ein Schälchen Erdbeeren gekauft und der Preis hat mich fast umgehauen. Wer weiß, vielleicht können sich viele Menschen auch in unserem reichen Land bald ausreichend Vitamin C nicht mehr leisten. Oder Sauerkraut wird wieder populär). Trotzdem – Vitamin C hat vielfältige andere Funktionen im Körper, an die wir oft gar nicht so denken.

Vitamin C ist beispielsweise ein Schönmacher, denn es schafft ein straffes Bindegewebe ohne Cellulite und wird zur Bildung von Kollagen benötigt. Kollagen ist das Grundgerüst unseres Gewebes und sorgt dafür, dass auch im Alter nicht alles hängt. Ein großes Molekül übrigens, zu groß für die Poren der Haut. Verabschieden Sie sich besser von dem Gedanken, dass Sie das mit einer Creme einbringen könnten und essen Sie stattdessen lieber eine Extraportion Vitamin C.

Wem aber das Thema Schönheit nicht so wichtig ist, für den habe ich noch andere Funktionen von Vitamin C, die uns alle etwas angehen. Vitamin C ist zum Beispiel wichtig, um Knochen und Knorpel aufzubauen. Wir Menschen werden immer älter, unsere Knorpel möglichst auch, oder? Vitamin C wird damit zu einem wichtigen Baustein, um auch im Alter unsere Beweglichkeit zu erhalten.

Und wer unter Eisenmangel leidet – ohne Vitamin C nützt ein Eisenpräparat wenig, denn der Körper benötigt Vitamin C, um Eisen überhaupt zu verwerten.

Vitamin C, heißt übrigens ganz wissenschaftlich Ascorbinsäure, abgekürzt für „Anti-Skorbutsäure“. Dieser Ausdruck hat daher nicht das Geringste damit zu tun, ob es sich um ein natürliches oder künstlich hergestelltes Vitamin handelt. Und selbst eine E-Nummer hat Vitamin C, nämlich E 300.

Und was hat Vitamin C mit Tränen zu tun? Nun, ein leidenschaftlicher, tränenreicher Gefühlsausbruch verbraucht schon mal bis zu 300 mg Vitamin C, vor allem auch deshalb, weil die Tränenflüssigkeit ein wichtiger Speicher für Vitamin C ist.

Falls aber jetzt alle „g’standenen Mannsbilder“, die ja bekanntlich nicht weinen, auf die heulenden Frauen herabschauen, muss ich Sie ein bisschen enttäuschen. Wissen Sie, was noch ganz viel Vitamin C verbraucht? Alle starken, negativen Gefühle wie Zorn, Ärger, Hass, Eifersucht und Stress.

Wer viel Stress hat und zu ordentlichen Gefühlsausbrüchen neigt, der sollte sich zumindest eine Extraportion Vitamin C gönnen, immer wieder einmal zwischendurch.

Und dass Raucher mehr brauchen, das hat sich ja inzwischen wohl herumgesprochen. Eine Zigarette verbraucht im Schnitt rund 30 mg, Sie können sich also schon einmal ausrechnen, was Sie so bei einer verrauchten, stressigen Sitzung mit viel Ärger verbrauchen. So viele gesunde Orangen oder Paprika, Kiwi oder Tomaten können Sie auf einmal gar nicht essen, wie Sie hier ganz locker verschleudern. Vielleicht sollte man den erzwungenen Passivrauchern als Entschädigung täglich einen Obstkorb vor die Tür stellen.

Aber auch einige Medikamente verbrauchen zusätzlich Vitamin C, beispielsweise das weit verbreitete geniale Aspirin. Wenn die Firma es also oft gemeinsam mit Vitamin C als Brause anbietet, so ist das keine kostenlose Nettigkeit, sondern gewissermaßen Schadensbegrenzung.

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Über unseren Bewegungsapparat haben wir ja schon kurz gesprochen. Es gibt einige Studien in Zusammenhang mit Rheuma, die sehr viel versprechend sind. Auch bei einer Abnutzung des Gelenkknorpels – der Arzt sagt dazu Arthrose – scheint Vitamin C zu helfen. In einer amerikanischen Studie bei Kniegelenkspatienten zeigte sich, dass diejenigen, die gut mit Vitamin C versorgt wurden, weniger Komplikationen hatten und es seltener zu einer Verschlechterung kam.

Nun, Tiere in freier Natur, die sich ja bis auf wenige Ausnahmen alle ihr Vitamin C selbst herstellen könne, kennen weder Rheuma noch Arthrose, allerdings bewegen sie sich auch mehr ;-)) Bemerkenswert an dieser Stelle aber ein Beschluss auf einer Konferenz zoologischer Gärten vor einigen Jahren. Es wurde festgesetzt, Affen, die ja so wie wir Vitamin C nicht selbst herstellen können, eine deutlich höhere Menge zu geben. Bis dahin hatte man die Dosis knapp über dem der Menschen angesetzt. Diese Minizufuhr kam aber den Zoos zu teuer, die Affen waren dauernd krank. Einfach zum Nachdenken!

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Young beautiful funny fashion model with orange slice on orange background. with orange makeup and hairstyle and freckles. holding orange between eyes with toothy smile.

Neben dem Bewegungsapparat sind es ja vor allem die Augen, die mit zunehmendem Alter schlapp machen. Auch hier habe ich eine interessante Studie gefunden. Man hat älteren Menschen über zehn Jahre – das ist schon eine ganz schön lange Zeit – höhere Dosen an Vitamin C gegeben und die Auswirkungen auf den so genannten Altersstar beobachtet. Das Resultat: Das Risiko konnte um 83 Prozent gesenkt werden. Ich kann Ihnen aber versichern, hier genügt die halbe Paprika, die doch tatsächlich noch auf den Seiten einiger „Fachleute“ herumgeistert, definitiv nicht.

Wir haben über „Stress und Tränen“ gesprochen, jetzt möchte ich Ihnen abschließend aber noch sagen, warum Vitamin C auch richtig glücklich und gelassen macht, vielleicht sogar bei Liebeskummer hilft oder an den fruchtbaren Tagen vor den Tagen im Leben einer Frau, genannt PMS-Syndrom.

Alle diese Zustände haben eines gemeinsam: Unser körpereigenes Glückshormon sinkt. Dieses Hormon heißt Serotonin, macht uns fröhlich und gelassen, weckt ungeahnte Kräfte und bringt uns einfach in eine gute Stimmung. Leider kann man es nicht einfach so essen, der Körper muss es sich selbst herstellen. Und das kann er nur, wenn er täglich eine ganz bestimmte Aminosäure (das sind die kleinsten Bausteine von Eiweiß) bekommt, dazu gute Kohlehydrate, zum Beispiel aus Obst oder Honig, und viel Vitamin C.

Also, wenn Sie das nächste Mal nicht gut drauf sind, Ihnen die ganze Welt auf die Nerven geht und Sie sich am liebsten die Decke über den Kopf ziehen würden: Gutes Eiweiß, gute Kohlehydrate und viel Vitamin C. Wirkt besser als Schokolade und bleibt nicht solange auf den Hüften.